Wien-Urlaub 2010
Dank dem Lidl-Ticket der Deutschen Bahn, welche Ende des letzten Jahres beim gleichnamigen Discounter für 66 € verkauft wurden und dieses mal unseren südlichen Nachbarn Österreich mit einschloss, gönnte ich mir Ende März eine Tour in die ehemalige K. u. K. – Hauptstadt Wien und das gleich für eine Woche.
Los ging es am 22.03. allerdings – bestimmt auch wegen dem langen Winter – waren die Züge ab Hamburg (bzw. zurück ab Wien) teilweise hoffnungslos überfüllt, so daß stehen angesagt war, stundenlang, denn alle Sitzplätze in den ICE-Zügen waren reserviert!
Mein Domizil hatte ich in Wien-Praterstern für nur 29 € die Nacht inkl. Frühstück; von dort aus ging es mit dem örtlichen ÖPNV auf Entdeckungsreise.
Dazu besorgte ich mir eine sog. Wochenkarte, welche für nur 14 € dazu berechtigt im Geltungszeitraum alle Reisemittel der Stadt unbegrenzt zu benutzen.
Am ersten Tag vor Ort besuchte ich neben dem Ernst-Happel-Stadion, dem Nationalstadion von Österreich und der Donau abends auch das erste Fußballspiel.
Rapid Wien - SV Mattersburg 3:0 (0:0) am 23.03.2010 um 20:30 Uhr
Rapid, der Österreichische Rekordmeister, spielt im Gerhard-Hanappi-Stadion, welches direkt an der Bahnstation Wien-Hütteldorf liegt.
Für die Begegnung besorgte ich mir die günstigste Karte, welche es zu erwerben gab – hinter dem Tor neben der Gästetribüne für 21 €; ganz schön happig.
Die 14500 Zuschauer – Rapid ist Zuschauerkrösus in der Österreichischen Bundesliga – sahen einen verdienten 3:0 Heimsieg; die Handvoll anwesender Gästefans traten kaum in Erscheinung.
Dafür wusste das Stadion mit seine beiden doppelstöckigen Tribünen auf den Längsseiten zu gefallen.
Am nächsten Tag stand ein Tagesausflug in das nur ca. 65 km entfernte Bratislava an, seines Zeichens Hauptstadt der Slowakei.
Dazu hat die ÖBB (Österreichische Bahn) ein sog. Bratislava-Ticket herausgegeben; für nur 14 € kann man an einem Tag zwischen beiden Städten hin und zurück fahren und dazu noch den ÖPNV vor Ort benutzen.
Bei bestem Wetter erkundete ich die malerische Altstadt sowie das Wahrzeichen der Stadt – das Schloss.
Ein Besuch im Slowakischen Nationalmuseum, welche auch eine Ausstellung über die Karpaten-Deutschen führt, rundete das Programm ab.
Am Abend gönnte ich mit dann noch das Topspiel der 1. Liga:
Slovan Bratislava - MSK Zilina 2:0 (1:0) am 24.03.2010 um 20 Uhr
Dieses Spiel wurde aber nicht im Heimstadion (und gleichzeitigem Nationalstadion) von Slovan ausgetragen, sondern im Stadion Pasienky des ehemaligen und nicht mehr existenten Rivalen Inter Bratislava.
Das gute dabei ist, daß beide Stadien nur wenige 100m Luftlinie auseinander liegen.
Für nur 7 € (seit 2009 ist der Euro in der Slowakei das gültige Zahlungsmittel)
erwarb ich einen Platz auf der überdachten Haupttribüne und konnte u.a. die mehrmalige Pyro-Show der Heimfans bewundern, welche den Sieg und die damit verbundene Tabellenführung feierten.
Der Zuschauerzuspruch war mit etwas über 5000 ein Spitzenwert in dieser Liga.
Verpflegungstechnisch war es im Stadion bzw. in Bratislava sehr günstig, so zahlte ich z. B. für ein großes Bier in einem Pub nur 1,30 €.
Leider mußte ich Abstriche bei der Freundlichkeit der Einheimischen machen und auch die Verständigung war mehr als schleppend, da kaum Englisch gesprochen wurde.
Den nächsten Tag verbrachte ich tatsächlich nur mit dem Sammeln von Eindrücken, also ohne Fußball; aber Wien hat soviel zu bieten, es sollte sich eigentlich für jedermann etwas finden lassen.
Ich kann z. B. das Armee-Museum empfehlen in dem u.a. ein großes Gemälde über die Schlacht der Österreicher gegen die Dänen bei Oeversee im Krieg von 1864 hängt.
Außerdem gab es eine Sonderausstellung über die „Seemacht Österreich“.
Ein schmunzeln konnte ich mir bei dem Wort Seemacht allerdings nicht verkneifen, denn es ist wohl das letzte Prädikat, an das ich denke, wenn es um die Alpenrepublik geht (zu Ehrenrettung der Österreicher sei erwähnt, das jene bis zum Ende des 1. Weltkrieges über die Adria Zugang zum Meer hatten; damals noch als Österreich-Ungarn).
Am Freitag ging es dann ins direkt bei Wien liegende Maria Enzersdorf, wo ich dem Spiel der Ersten Liga (2. Liga)
FC Admira Wacker Mödling - RB Juniors Salzburg 1:0 (1:0) am 26.03.2010 um 19 Uhr
beiwohnte.
Die erste Überraschung erlebte ich vor dem Bundesstadion Südstadt als mir ein Herr eine Freikarte für die Tribüne in die Hand drückte.
Als ich auf dieser Platz nahm, dann die zweite Überraschung, denn fast direkt neben mich setze sich Andreas Herzog, einer der Helden meiner Jugend.
Normalerweise bin ich kein Autogrammjäger aber hier musste ich einfach eine Ausnahme machen und lies mir meine Eintrittskarte signieren.
Das Spiel war eher - naja - und auch Gästefans gab es heute nicht, da es wohl niemanden gibt, der freiwillig der zweiten Mannschaft eines Energy-Drink Herstellers hinterher reisst (kurze Auflösung: RB Steht für „Red Bull“).
Am Wochenende gab es dann zweimal Fußball im Doppelpack.
Den Anfang machte das Spiel der Ersten Liga:
First Vienna FC - SKN St. Pölten 2:0 (1:0) am 27.03.2010 um 15:15 Uhr
Im Stadion Hohe Warte kann ich einen Besuch nur empfehlen, denn von der hügelartigen Gegengerade hat man bei gutem Wetter einen wunderbaren Blick über die Skyline von Wien.
10 € muß man dafür als Eintritt bezahlen, darf sich dann aber seinen Platz im gesamten Stadion selber aussuchen und hat einen hervorragenden Service, was die Beschilderung angeht.
Die Vienna-Fans auf der Haupttribüne gefielen durch englischen Oldshool-Support und wenn man als Verein schon Vienna heisst, was darf dann im Musikrepertoire des Stadionsprechers auf keinen Fall fehlen? Logo: „Vienna Calling“ von Falco.
Die 1570 Zuschauer sahen ein Spiel, in dem die Gäste seit der 34. Min. einem Rückstand zu egalisieren versuchten aber alle Anstrengung war vergebens, denn fast mit dem Schlusspfiff fiel das 2:0 und damit die Entscheidung. Das war auch gut so, denn ich musste los zum nächsten Spiel:
Austria Wien - SC Wiener Neustadt 1:0 (1:0) am 27.03.2010 um 18 Uhr
Da ich wusste, es könnte knapp werden, hatte ich mir im Vorverkauf für 18 € eine Karte auf der Gegengeraden des Franz-Horr-Stadions gesichert. Aber dank der S- und U-Bahn erreichte ich ohne zu großen Zeitdruck das Stadion.
Das Stadion ist ein kompakter All-Seater, welcher durch seine Enge gefällt und als die doppelstöckige Fantribüne der heimischen Violetten (übrigens Rekord-Pokalsieger in Österreich) ein „hier regiert der FAK“ anstimmte und sogar die Gegengerade mitmachte, da wurde es sogar richtig laut und das obwohl es bei diesem Spiel mit ca. 7400 Zuschauern nur etwas mehr als zur Hälfte gefüllt war.
Das kleine Häuflein der Gästefans wurde auf der rechts von mir liegenden Hintertortribüne untergebracht, wo sich ansonsten kaum jemand befand.
Das Spiel selber wurde durch einen Elfmeter in der 1. Halbzeit entschieden
und veranlasste die ringsum meine Person platzierten Personen zu etlichen Schimpfereien; es war also nicht so der Kracher…
Glück im Unglück hatte ein älterer Herr der mit Getränken beladen rechts von mir die Treppe hinunter stürzte und zwar seine Getränke auf etliche Personen verteilte, sich aber ansonsten nichts tat und das Spiel weiter verfolgen konnte – man, man, man…
Favoritner AC - IC Favoriten 0:0 (0:0) am 28.03.2010 um 10:15 Uhr
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Wiener Liga, wo es dank Zeitumstellung gefühlt um 09:15 Uhr losging und zwar mit dem Stadtteilderby in Wien-Favoriten.
Der Eintritt kostete ganze 7 € und es gab eine Nullnummer nicht mehr; nicht weniger.
Beide Vereine wurden durch kleine Fangruppen unterstützt und das Stadion, der Fav AC Platz, weiss durch eine in einen Häuserblock integrierte Stehtribüne zu gefallen – so etwas hatte ich zuvor auch noch nie gesehen…
Übrigens öffnete sich während des Spiels doch tatsächlich das ein oder andere Fenster aus dem Tribünen-Haus und es wurde kurz dem Spiel zugeschaut.
Erwähnenswert ist, wie ich finde, daß es hier das teuerste Bier der ganzen Woche gab: Ein 0,5 L frisch gezapftes „Hirter“ schmeckte zwar auch um diese Uhrzeit gut war aber mit 3,60 € ziemlich teuer.
ISS Admira Technopool - SV Gerasdorf Stammersdorf 1:1 (1:1) am 28.03.2010 um 15:30 Uhr
Mit reichlich Zeit im Gepäck ging es zum letzten Spiel des Urlaubs; es wurden dann aber zwei Spiele daraus, da vorher noch die zweiten Herren der jeweiligen Vereine auf dem Hauptplatz gegeneinander spielten.
So hatte man für – wieder – 7 € immerhin ordentlich was zu sehen.
Die Union-Sportanlage selber hat nur eine kleine unüberdachte Sitztribüne vorzuweisen und macht ansonsten nicht viel her; übrigens genau wie das Spiel – ein relativ langweiliges 1:1.
Relativ schnell war die Woche dann auch zu Ende und am nächsten Tag ging es dann mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck auf in Richtung Heimat.
Martin Schaup