Millwall FC – Tranmere Rovers 1:0 (0:0) am 17.01.2009 um 15 Uhr
In England ist eine Winterpause gänzlich unbekannt, daher ist der Januar eine gute Zeit, um das Empire mit einem Besuch zu beglücken. Von Lübeck-Flughafen (neuerdings mit eigener Bahnstation) fliegt man morgens mit Ryanair in etwas über einer Stunde nach London-Standsted und gelangt von dort per Bustransfer (ca. 60 Min.) direkt nach London; so ca. 12 Uhr ist man am Victoria Station.
Infos über einen Fussball-Besuch in London findet man unter "Fussball in London" - dort findet man wirklich ALLES…stöbern lohnt sich!
Nachdem ich mich für teures Geld (in London geht das Geld generell schnell weg, so meine Erfahrung – 1 Pfund sind ca. 1,1 Euro) mit Postkarten & Briefmarken eingedeckt hatte, zog es mich in den nächsten Pub, wo ich mir einen leckeren Pint of Lager (für 3,20 Pfunde) orderte und in Ruhe meine Grüsse aus dem UK schreiben konnte (1 Pint sind übrigens 0,568 Liter).
Für den Nahverkehr (d.h. die Tube) kaufte ich danach ein Day-traveller-Ticket für 5,60 Pfund (für Zone 1+2 – es gibt insgesamt 6 Zonen in London), welches aber auch in den Regionalzügen gilt.
Mit eben jenen Regionalzügen kam ich von Victoria zur Station South Bermondsey, wo von man direkt auf The New Den des Millwall FC blickt. Millwall spielte dort in einem Spiel der Coca-Cola-League One (3. Liga) gegen Tranmere.
Vor dem Spiel dachte ich mir natürlich, dass man in einem Fan-Pub schön noch ein-zwei Pints trinken konnte, aber alle drei Pubs in relativer Stadionnähe, welche ich gesehen hatte, waren geschlossen und das, wenn man die Bretter vor den Fenster & Türen einbezieht, wohl nicht nur für den Spieltag.
So holte ich mir einen schönen fettigen Burger mit Fritten für 3 Pfund, wobei der Burger (ein Doppel-Burger mit Käse, Salat & Burgersauce) genial war; die Pommes eher – naja…
Dann gings zum Stadion, wo ich mir für 20 Pfund einen Platz im Oberrang der Cold Blow Lane, die Hintertortribüne der Millwall-Fans, sicherte. Kartentechnisch war das kein Problem, da Milwall nicht mal einen Schnitt von 10.000 hat und das bei einem 20.000er Stadion. Auch heute waren es nur 8257 Zuschauer (darunter 327 Away-Supporter) lt. "Matchreport"Trotzdem ist es immer besser sich vorher gut zu informieren.
Vor dem Eingang wurde für 3 Pfunde ein hochglanz Stadionmagazin gekauft, damit man was zu blättern hatte – ist aber echt gut gemacht.
Im Stadion (ein sog. All-Seater, wie in den englischen Profiligen üblich mit 4 einzelnen Tribünenteilen in blau&gelb gehalten) selber durfte nicht geraucht werden und Bier (es gab Carlsberg aus Plastikflaschen für 3,10 Pfund) durfte nur im Innenraum verzehrt werden.
Zu essen gab es u.a. Pasteten & Burger – wurden von mir aber als nicht testenswert erachtet.
Vor dem Spiel gab es eine Ehrung, da ein Spieler namens Neil Harris seit kurzem alleiniger Rekordtorschütze mit 112 Treffern ist. Daher gab es ein Stelldichein verschiedener Millwall-Torjäger, welche von den Fans gefeiert wurden.
Das Spiel selber war sehr kraftvoll und athletisch und irgendwie spannend anzusehen. Dazu kam, dass die Millwall-Fans es (besonders in der zweiten Hälfte) gut supporteten.Die Anhänger der Gäste wurden auf der gegenüberliegenden Hintertortribüne untergebracht und hatten dort genügend Platz, denn its „away supporters only“ und wenn es bei denen mal laut wurde, dann wurden sie gleich überstimmt.
Was ich in England schon öfter beobachtet habe, dass es nicht gerne gesehen wird, wenn Spieler sich beschweren und/oder nach einem Foul länger als nötig liegen bleiben – besonders, wenn es sich um gegnerische Spieler handelt.
So rasteten einige Millwall-Fans auf den Hauptribünen förmlich aus, als ein Tranmere-Spieler behandelt werden musste bzw. sich ein anderer bei Linienrichter beschwerte, dass er den Einwurf angeblich falsch angezeigt hatte – einfach herrlich…
Nach dem 1:0 für Milwall in der 2. Halbzeit legten die Millwall-Fans, wovon ein guter Teil jetzt stand und dies auch durfte – in England nicht unbedingt üblich – noch mal richtig los. Es wurde teilweise richtig laut z.B. mit dem Klassiker „no one likes us, we dont care“. Am Ende reichte es auch, das Ergebnis über die Zeit zu retten.
Nachdem Spiel ging es für mich zurück zur Victoria-Station, wo ich einige Pubs aufsuchte, um die Zeit bis mein Bus zum Flughafen fuhr, rumzukriegen. Am späten Abend dort angekommen, ging es nur noch darum die Nacht bis zum nächsten morgen um 6 Uhr zu verjagen, weil dann der Flieger auf mich wartete. So wurde auf einer Bank gelesen, Musik gehört und tatsächlich etwas geschlafen – aber erholsam war es nicht. Daher wurde auch die Zeit des Rückfluges fast nur geschlafen und nach dem man die deutsche Bahn wieder etwas reicher gemacht hatte, erreichte man gegen 13 Uhr auch schon Flensburg…
Martin Schaup